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Schloss Krobnitz

Aussenansicht Schloss Krobnitz bei Reichenbach in Sachsen Eingangshalle Schloss Krobnitz Schloss Krobnitz - Blick zum Inspektorenhaus oben: Schloss Krobnitz, mitte: Eingangshalle, unten: Blick zum Inspektorenhaus

Schloss Krobnitz Am Friedenstal 5
02894 Reichenbach, OT Krobnitz
Tel. (035828) 8 87 00
Fax. (035828) 8 87 01

Öffnungszeiten:
Di.- So. 10.00 – 17.00 Uhr

Finden Sie ein Stück Preußen in Sachsen

Umgeben von einem Landschaftspark erhebt sich der imposante Bau des Krobnitzer Schlosses. Das um die Mitte des 18. Jahrhunderts von der Familie v. Üchtritz erbaute barocke Herrenhaus erwarb im Jahr 1873 der preußisches Kriegsminister und Generalfeldmarschall
Albrecht Theodor Emil Graf von Roon. Er ließ es durch Aufstockung des Mansardgeschosses mit Flachdach und Balustrade in ein neoklassizistisches Gebäude umgestalten. Die gegliederte Putzfassade kopiert in ihrem Erscheinungsbild das Berliner Kriegsministerium. Graf von Roon erweiterte den Park und legte im hinteren Parkteil eine Familiengruft an, die 1876 eingeweiht wurde. Sein Sohn Waldemar bebaute diese Gruft mit einer neogotischen Kapelle, die jedoch 1980 dem Abbruch zum Opfer fiel. Ein später Saalanbau am Schloss, der sich jedoch architektonisch nicht in das Gesamtensemble einfügte, wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten am Schloss im Jahr 2002/3 abgerissen. Nach der Enteignung der Familie von Roon nach 1945 diente das Schloss Flüchtlingen und Vertriebenen als Unterkunft. Der Einbau von Wohnungen zerstörte die einstige Raumstruktur nahezu vollständig. Bis 1990 schritt der Verfall der Gesamtanlage trotz unterschiedlicher Nutzungen fort.

Im Jahr 2002 begann unter der Bauherrschaft der Stadt Reichenbach die umfassende Sanierung von Gut, Schloss und Park. In der ehemaligen Schmiede sind ein Veranstaltungs- und ein Sonderausstellungsraum entstanden. Im Schloss wird schrittweise eine Dauerausstellung zur Architekturgeschichte der Oberlausitz im 19. Jahrhundert sowie ein Roon- Kabinett aufgebaut. Im Obergeschoss entsteht das Forschungs- und Dokumentationszentrum „Die Treppe“, das die Sammlungen des Vereins für Scalalogie- Frankfurt/M. der Öffentlichkeit zugänglich macht. Im Sommer lädt das Schloss zu Konzerten und Veranstaltungen ein. Sehr gern wird die Anlage auch für Hochzeiten und andere besondere Feierlichkeiten genutzt.



Kriegsminister, Generalfeldmarschall und Herr auf Krobnitz

Abbildung (Stich): Albrecht Theodor Emil Graf von Roon Albrecht Theodor Emil Graf von Roon

Albrecht Theodor Emil Graf von Roon wurde am 30. April 1803 auf dem kleinen Landgut Pleushagen / Pommern geboren. Seine entbehrungsreiche Kindheit fiel in die Zeit der napoleonischen Kriege. Im Jahr 1811 verstarb sein Vater und so wuchs der junge von Roon bei seiner Großmutter auf. Bereits als 13-jähriger trat er in die Kadettenanstalt zu Kulm ein. Damit begann eine militärische Laufbahn, die ihn später in höchste politische Ämter führen sollte. Seine Ernennung zum Leutnant erfolgte 1821 und drei Jahre später besuchte er die Allgemeine Kriegsschule in Berlin. Ab 1828 gab er selbst Unterricht in Geographie und Geschichte am Kadettenkorps. Bald darauf wurde er als Lehrer für Taktik und Geographie an der Allgemeinen Kriegschule berufen. 1835 lernte er bei einem Besuch von Verwandten in Groß- Tinz (Kreis Neumarkt) Anna Rogge kennen. Ein Jahr später heiratete er die 14 Jahre jüngere Pfarrerstochter. Dem Paar wurden fünf Söhne und zwei Töchter geboren.

In den dreißiger Jahren publizierte er als Mitglied des Generalstabes Werke zur Militärtopographie, die in Fachkreisen große Beachtung fanden. Sein Lehrbuch „Die Anfangsgründe der Erd-, Völker- und Staatenkunde“ erfuhr zwischen 1834 und 1868 insgesamt 12 Auflagen mit mehr als 50.000 verkauften Exemplaren. Die Ernennung zum militärischen Begleiter des jungen Prinzen Friedrich Karl an die Bonner Universität ab 1846 beendete seine wissenschaftliche Laufbahn. Bei Ausbruch der Revolution 1848 nahm er als Truppenoffizier an der Niederschlagung der Aufstände in Baden teil. Im Jahr 1850 erhielt er im Rang eines Oberstleutnants das Kommando über das 33. Infanterie- Regiment, dem Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1889 den Ehrennamen „Graf Roon“ verlieh. Seine in den folgenden Jahren gesammelten militärischen Erfahrungen ließen ihn erkennen, dass Preußens Heer den Anforderungen an eine moderne Kriegsführung nicht mehr genügte. Mit der Denkschrift zur „vaterländischen Heeresverfassung“ lieferte er 1858 den theoretischen Grundstein für die Umgestaltung der Armee, löste aber in der Folge einen Verfassungskonflikt aus. Das mehrheitlich liberale Parlament verweigerte König Wilhelm I. die notwendigen Haushaltmittel. Roon, inzwischen seit 1859 Kriegsminister und 1861 zugleich Marineminister, empfahl dem preußischen König als Ausweg aus der Krise die Berufung Otto von Bismarcks zum Ministerpräsidenten. Bismarck setzte schließlich die Heeresreform gegen das Parlament durch. Nach den erfolgreichen Feldzügen gegen Dänemark 1864 und Österreich 1866 genehmigte auch das Abgeordnetenhaus rückwirkend die Finanzmittel. Bei Ausbruch des Deutsch- Französischen Krieges 1870 übernahm der Chef des Generalstabes, Helmuth von Moltke, die militärische Führung der Armee und Albrecht von Roon stellte technische Ausrüstung, Organisation, Ausbildung und Verwaltung des Heeres sicher.

Für seine Verdienste um die Einigung Deutschlands erhob Kaiser Wilhelm I. von Roon im Jahr 1871 in den erblichen Grafenstand. 1873 erfolgte Graf von Roons Ernennung zum Generalfeldmarschall sowie seine Berufung zum preußischen Ministerpräsidenten. Aus gesundheitlichen Gründen gab er alle öffentlichen Ämter bereits im November 1873 zurück und ging in den Ruhestand. Nach dem Verkauf seiner Berliner Güter baute er sich Schloss Krobnitz als Alterssitz aus. Er verstarb jedoch schon am 29.02 1879 in Berlin und fand seine letzte Ruhestätte in Krobnitz.

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